Apple geht über Leichen

greenpeace magazin 4.11
Mit einem internationalen 
Aktionstag machte die
 Kampagne „makeITfair“ auf
 Missstände beim iPhone-
Hersteller Apple aufmerksam

Im Mai rief die Kampagne „makeITfair“ zu einem Aktionstag auf, um auf die Arbeitsbedingungen bei den Zuliefer­firmen von Apple aufmerksam zu machen. Auslöser war vor allem die Selbstmord­serie unter Arbeitern, die sich 2010 im Werk 
des Zulieferbetriebes Foxconn in China ereignet hatte. Laut makeITfair haben sich zudem Dutzende von Foxconn-Arbeitern 2008 und 2009 beim Reinigen von iPhones 
und iPads mit Lösungsmitteln vergiftet und mussten die Behandlungskosten selber tragen. Seit Jahren lässt der Konzern die Kritik an sich abprallen. 2008 hieß es von Apple noch, man stelle hohe Anforderungen an die Arbeitsplatzsicherheit sämtlicher Zulieferer. Telefonisch befragt zu der makeITfair-Aktion, lässt Apples Pressesprecher lediglich wissen: „Zu diesen Vorwürfen äußern wir uns nicht.“

Mehrere europäische Or­ga­nisationen und Vereine beteiligten sich an den Pro­tes­­­­­ten gegen den iPhone-Her­stel­ler. In zahl­­rei­­chen Städten Europas wurde vor Apple-Verkaufsstellen demonstriert, um auf die schlechten Arbeitsbedingun­gen bei den Zu­­­lieferfirmen in China auf­merk­­­­sam zu machen. Auch vor Fabrikto­ren in Mexiko und Taiwan sowie vor Ge­­­­schäf­­ten in Hongkong versam­melten sich Pro­­testierende. „Jeder, der ein iPad oder iPhone kauft, muss sich darüber im Klaren sein, dass der hohe Nettogewinn von Apple – im ers­­ten 
Quartal 2011 waren es mehr als vier Mil­­liar­den Euro – zu Las­ten der chi­­ne­­si­schen Ar­beiterinnen und Arbeiter geht“, sagt ­Cor­­nelia Heydenreich von der Organisation German­watch, die makeITfair in Deutschland ko­or­­di­niert.

Besonders in der Kritik steht das Unter­nehmen Foxconn, der weltgrößte Zu­lieferer der Elektronikindustrie, zu dessen Kunden neben Apple auch Nokia, Hewlett-Packard, Dell, Sony und Motorola gehören. In den chinesischen Werken der Firma Foxconn herrsche ein autoritärer Führungsstil, berichtet Sacom, eine in Hongkong ansässige Arbeitsrechtsorganisation, die mit makeITfair zusammenarbeitet. Ge­werkschaften seien verboten. Prob­lematisch sei vor allem der geringe Lohn. Dieser reicht laut Sacom nicht zum Leben.

Nach der Selbstmordserie im größten Foxconn-Werk im südchinesischen Shenzen – dort wird das iPhone gefertigt – hatte Apple Mitte letzten Jahres versprochen, sich für bessere Arbeitsbedingungen einzusetzen. Tatsächlich sei noch nicht genügend geschehen, kritisiert Sacom. Die Initiative hatte im März und April 2011 mehr als 100 Arbeiter aus verschiedenen Werken befragt. Nach deren Angaben besteht ein hoher Arbeitsdruck und es gebe eine Vielzahl teils unbezahlter Überstunden bei Foxconn. Bereits 2008 hätten Arbeiter berichtet, bei Produktionsspitzen bis zu 120 Überstunden im Monat leisten zu müssen. Nur alle zwei Wochen hätten sie einen freien Tag bekommen.

„Wir fordern von Apple, ein Jahr nach den Selbstmorden in Shenzen endlich faire Löhne zu zahlen und realistische Lieferzeiten ein­zuführen“, sagt Cornelia Heydenreich. Immerhin: Apple hat sich inzwischen auf ein Gespräch mit makeITfair eingelassen – von dessen Inhalt darf die Öffentlichkeit aber nichts erfahren.

Gegenüber dem Greenpeace Magazin zeig­te sich der Konzern gewohnt stur: Nicht 
einmal zu einem Hintergrundgespräch war 
man bereit.

Text: Kurt Stukenberg