Fracking – Die Risiken der unkonventionellen Erdgas-Förderung

Öl und Gas werden immer knapper. Dies macht eine weltweit umstrittene Methode der Gasgewinnung immer rentabler: das Hydraulic Fracturing, kurz Fracking. Dabei soll mit Hilfe eines giftigen Chemiecocktails so genanntes unkonventionelles Erdgas gefördert werden. Darunter versteht man Gas, das im Gestein gebunden ist, so dass es nicht von alleine zum Bohrloch strömen kann.

Schwere Umweltschäden befürchtet
Wissenschaftlich fundierte Untersuchungen zu den Auswirkungen des Fracking auf Mensch und Umwelt fehlen bisher. Doch in den USA, wo Fracking schon weit verbreitet ist, sind schwere Umweltschäden zu beobachten.

Chemikalien gefährden das Grundwasser
Beim Fracking wird Bohrwasser mit hohem Druck in die Erde gepresst. Dem Wasser werden so genannte Additive beigefügt: Laut Fracking-Unternehmen besteht das „Fracfluid“ zu 99,9 Prozent aus reinem Wasser und Sand. Letzterer hat die Funktion, die Pumpwege freihalten.

Zusätzlich werden der Frackingflüssigkeit Chemikalien beigesetzt, zum Beispiel Säuren, Biozide und Stoffe, welche die Reibung und Viskosität der Flüssigkeit verändern. Unter den verwendeten Chemikalien finden sich auch solche, die als gesundheitsgefährdend, ätzend, umweltgefährdend und giftig klassifiziert sind.

Schon in winzigen Mengen schädlich
So wurde bei einer Bohrung in Niedersachsen das wassertoxische und hormonell wirkende Octylphenol nachgewiesen. Es schädigt Entwicklung und Fortpflanzung und ist schon in minimalen Konzentrationen hochgiftig. Auch Tetramethylammoniumchlorid, das nicht einmal in kleinsten Mengen ins Grundwasser gelangen darf, wurde vermehrt eingesetzt. Tetramethylammoniumchlorid ist giftig bei Hautkontakt und lebensgefährlich bei Verschlucken.

Auch wenn giftige Chemikalien nur wenige Prozent der Fracking-Flüssigkeit ausmachen, ist die absolute Menge giftiger Stoffe, die in die Erde verpresst werden, beachtlich. So leitete Exxon in der Nähe der Ortschaft Damme rund 12 Millionen Liter Flüssigkeit in den Untergrund. „Nur“ 0,2 Prozent waren Chemikalien. In absoluten Zahlen: 24 000 Liter.

Gefährlich wird es, wenn Fracfluid ins Grundwasser gelangt. Dies kann über mehrere Wege geschehen:

1. Die Bohrung wird über die erste Strecke mit einem zementierten Ring ummantelt. Dieser soll dafür sorgen, dass die Grundwasser führende Schicht sicher durchquert wird. Bei dem hohen Druck, dem die Bohrung während des Frackin-Prozesses ausgesetzt ist, kann es vorkommen, dass der Zementring dem Druck nicht standhält. Dann wird das mit Chemikalien vermischte Wasser in die Grundwasser führende Schicht gepresst.

2. Die Fracflüssigkeit könnte durch das aufgesprengte Gestein unkontrolliert nach oben in Grundwasser führende Schichten steigen.

3. Nach dem Fracking-Prozess und dem Nachlassen des Überdrucks wird ein Teil der eingepressten Flüssigkeit wieder aus der Bohrung nach oben geführt. Diese muss aufgefangen und entsorgt werden. Auch bei der Lagerung, Transport und Entsorgung können Gifte in die Umwelt gelangen.

Methan im Grundwasser
Doch nicht nur die Frackingflüssigkeit selbst gefährdet das Trinkwasser. Gase, vor allem Methan, können durch Risse entweichen und in das Grundwasser gelangen. In den USA haben Methananreicherungen im Trinkwasser schon zu Explosionen geführt. Teils führte das Leitungswasser so viel Gas, dass es mit einem Feuerzeug angezündet werden konnte.

Laut dem Tyndall Centre for Climate Change Research sind in den USA Betriebs- und Konstruktionsfehler beim Fracking eine häufige Ursache von Grundwasserverunreinigungen. In einigen Frackinggebieten der USA ist das Grundwasser nicht mehr trinkbar. Die Anwohner werden mit Wasserwägen beliefert. Die amerikanische Umweltbehörde untersuchte in Wyoming Grundwasserleiter und fand Chemikalien wie Glykole und andere Alkohole, Petroleumderivate sowie Methangas und Schaummittel. Daraufhin empfahl die US-Gesundheitsbehörde den Betroffenen, ihr Leitungswasser nicht mehr zu trinken und beim Duschen für Belüftung zu sorgen. Auch in Pennsylvania waren 13 Quellen mit Methan, Arsen, Barium, Glykolen, Phenolen und anderen Chemikalien verseucht, die höchstwahrscheinlich von nahen Fracking-Aktivitäten kommen. Einige Quellen explodierten angeblich sogar.

Gesetze aus dem letzten Jahrhundert
Für den Grundwasserschutz gelten zwar strenge Gesetze, allerdings gibt es im Bezug auf das Fracking einige Unklarheiten. Die Erlaubnis zur Förderung wird vom Bergbaugesetz abgeleitet, das aus einer Zeit stammt, in der Technologien wie Fracking nicht vorstellbar waren. Mehrere tausend Meter tief reichende Bohrungen waren noch bis vor wenige Jahrzehnte nicht im Bereich des technisch Möglichen. Daher ist zum Beispiel der Schutz des stark mineralisierten Tiefenwassers nicht geregelt, Umweltverträglichkeitsprüfungen sind erst ab einer Fördermenge von über 500.000 Kubikmeter am Tag Pflicht, welche beim Fracking nicht erreicht werden. Wasserämter und Anwohner müssen über Frackingaktivitäten nicht informiert werden.

Wohin mit den giftigen Abwässern?
Für eine Bohrung mit mehreren Frackvorgängen werden viele Millionen Liter Wasser benötigt. Diese Wassermengen fehlen im örtlichen Grundwasserkörper, was massive Auswirkungen auf den Wasserhaushalt haben kann.

Das Rücklaufwasser, der so genannte „Flowback“, muss aufgrund der verwendeten Gifte entsorgt werden. Der Flowback ist oft stark radioaktiv belastet. Radon und andere Radionuklide können durch die Fracking-Methode an die Erdoberfläche kommen. Auch Salze, Schwermetalle und Substanzen wie Benzol oder Reaktionsprodukte aus den verschiedenen Zusätzen können sich im Rücklaufwasser befinden.

Es kann daher nicht in kommunalen Kläranlagen entsorgt werden. In Deutschland ist keine Behandlung in Industriekläranlagen vorgesehen. Daher wird die giftige Brühe wieder in den Boden verpresst.

Laut Umweltbundesamt kann die „in Deutschland gängige Praxis der Entsorgung des Flowback durch Verpressung in „geeignete durchlässige Schichten“ in den Untergrund [..] mit Risiken für das Grundwasser und die Umwelt verbunden sein.“

Der Bundesrat entschied am 1.2.2013, dass „die Entsorgung des Flowback aus Frack-Vorgängen mit Einsatz umwelt-toxischer Chemikalien […] wegen fehlender Erkenntnisse über die damit verbundenen Risiken derzeit nicht verantwortbar ist.“

Situation in Deutschland
In Europa befinden sich weniger Lagerstätten für unkonventionelles Erdgas als auf anderen Kontinenten. Insbesondere Deutschland und Polen treten hier jedoch aus der Reihe. So decken in Nordrhein-Westfahlen mögliche Fracking-Standorte über die Hälfte der Fläche des Bundeslandes ab. Etliche Firmen haben Fracking-Aktivitäten in Deutschland beantragt.

In einigen der Aufsuchungsfelder befinden sich Wasserschutzgebiete und Trinkwasserquellen. Auch Tourismusregionen sind vor Fracking nicht sicher. So sind u.a. Bohrungen am Bodensee angedacht.

In Deutschland ist die unkonventionelle Erdagas-Förderung stark umstritten. Der Bundesrat hatte die Regierung im Februar 2013 aufgefordert, den Einsatz umweltgefährdender Substanzen abzulehnen, bis die Risiken restlos geklärt sind.

Die schwarz-gelbe Bundesregierung will Fracking prinzipiell ermöglichen. Die unkonventionelle Gasförderung soll einheitlich geregelt werden und nach einer Umweltverträglichkeitsprüfung erlaubt sein. Nur in Trinkwasserschutzgebieten soll Fracking grundsätzlich verboten werden.

http://umweltinstitut.org/energie--klima/allgemeines-energie--klima/fracking-1084.html