Consume, don‘t think!



Was ist denn das für ein Chaos hier?!

Ups . . . hoffe ich hab sie nicht beim Shoppen gestört. Naja obwohl mir das auch ehrlich gesagt nicht wirklich Leid tun würde. Aber als Flyer sind meine Ausdrucksmöglichkeiten ja sowieso eingeschränkt.
Machen sie sich aber keine Sorgen. Ich bin nicht da um Ihnen ein schlechtes Gewissen zu machen. Ganz im Gegenteil, ich möchte, dass Sie gute Laune kriegen, weil sie merken, dass Sie Ihre “ es-lässt-sich-ja-sowieso-alles-nicht-ändern“ -Mentalität über Bord werfen können. Aber für den Fall, dass sie hier alles gar nicht so schlimm finden, plauder ich mal ein bisschen aus der Weltgeschichte:
Gerade bastelt eine Gruppe Geflüchteter aus Syrien, Eritrea und Somalia in einem Wald in Marokko eine Leiter um damit den ersten der drei Grenzzäune zu überwinden, die sie von der spanischen Enklave Melilla trennen. Alle haben schon Verletzungen von den vorigen Versuchen spanisches Hoheitsgebiet zu erreichen, aber da die Zukunftsperspektive dort, wo sie aufgewachsen sind noch schlechter ist, haben sie auch nichts zu verlieren.
Im selben Augenblick bläst das Braunkohlekraftwerk Weisweiler im Rheinland tonnenweise CO2 in die Luft und niemand will eigentlich genau wissen, was das im Endeffekt so für Folgen hat, während in Japan das Wasser um Fukushima herum strahlt wie nie zuvor, unter anderem durch Uran, dass in Gronau, Westfalen angereichert wurde.
Oder schauen wir doch mal auf das Leben eines chinesischen Fabrikarbeiters, der sich davon, dass er den ganzen Tag Smartphones zusammenbaut, gerade so sein Bett im Wohnheim leisten kann, in dem er sich ein Zimmer mit fünf anderen teilt und der als verzweifeltes Druckmittel für bessere Arbeitsbedingungen mit anderen auf das Dach seiner Firma steigt und damit droht herunterzuspringen.
In Berlin wiederum wurde gerade das Museum am Checkpoint Charlie von Aktivist*innen besetzt, die darauf hinweisen, wie absurd es doch ist, dass hier Flüchtlinge aus der ehemaligen DDR gefeiert werden, während solche aus Kriegsgebieten, sofern sie es denn überhaupt in die Festung Europa hinein schaffen, erstmal eingesperrt werden und dann jahrelang mit der Angst leben dürfen jeden Moment in die Situation abgeschoben zu werden, aus der sie geflohen sind.
Ein letzter Blick über den Ozean zeigt Brasilien, wo gerade ein roter Teppich für die FIFA ausgerollt wird, und wo die Militärpolizei ihr Bestes gibt, um die darunter gekehrte Armut nicht zum Vorschein kommen zu lassen, während ihr gleichzeitig das Blut von erschossenen Demonstrant*innen und verschwundenen Straßenkindern zwischen den Füßen hervorsickert. Das sind alles Dinge, die entweder gerade stattfinden oder die zumindest so stattfinden könnte und die bei mir die aktive Variante vom schlechten Gewissen verursachen:
Sie machen mich wütend. Ich will nicht, dass das passiert und ich will was dagegen machen. Noch ist die versprochene gute Laune (bei mir zumindest) noch nicht ganz in Sicht, aber Wut und der Wunsch nach Veränderung sind doch schon mal ein Anfang. Wie kann es denn sein, dass 250.000 Menschen aus ihren Wohnungen vertrieben und diese dann abgerissen werden, bloß um da Fußballstadien zu bauen, die dann nach einem Monat “ anderen-Leuten-beim-Ball-spielen-zuschauen“ nicht mehr gebraucht werden. Warum sind die Stimmen einiger Menschen soviel weniger wert als die von anderen. Aber das heißt wohl Demokratie – die Stimmen der Vielen ( oder die von denen mit viel Geld) zählen, alle anderen nicht. Aber das ist ja jetzt auch nichts Neues.
Und viele sind ja anscheinend auch ganz zufrieden damit, alle vier Jahre einmal wählen zu gehen und sich ihre sonstige Zeit mit abwechselnd Arbeit und Urlaub zu vertreiben.
Mir reicht das längst nicht mehr, ich will die Welt in der ich wohne mitgestalten und nicht die ganze Zeit unsicher sein, ob ich mit einem Einkauf gerade dazu beitrage andere auszubeuten.
Ich will lieber eigene Strukturen aufbauen, die ohne den Umweg, dass sie Profit erwirtschaften müssen, für die Bedürfnisse von denen da sind, die daran mitarbeiten. Solidarische Landwirtschaften zum Beispiel. Aber das ist ja auch alles nur Gerede bzw Geschreibsel. . . viel mehr braucht es dafür Leute, die auch keine Lust mehr auf den ganzen Unsinn haben und darauf, dass andere für sie mitbestimmen. Ich bin ja jetzt auch nur ein Zettel, den die meisten sicher wegschmeissen werden. Aber Sie haben die Möglichkeit! Achja und eins noch:
Selber machen macht Spaß!