Wut.Brüche

Dies soll ein Text sein an alle, die Wut in sich tragen. Wut über die sexistischen- und gewalttätigen- und unterdrückenden Verhältnisse in denen wir leben und die sich immer wieder zusammenschließen und überall wirken. Wut über das Nichtverhalten. Wut über fehlende Solidarität untereinander. Wut darüber wie damit umgegangen wird und Wut darüber wie von uns erwartet wird damit umzugehen, nämlich gar nicht wütend oder gewalttätig sondern verständnisvoll und nicht explosiv.

Ich werde in diesem Text die Kategorie Frau aufmachen, hiermit meine ich eine soziale Kategorie. Mir ist wichtig, Frau zu benennen. In ihrer Sozialisation, des Hinnehmens, Ertragens und anderen Menschen das Leben zu erleichtern. Ich spreche von einer Sozialisation die ab dem ersten Tag des auf der Welt seins beginnt. Vor allem aus diesem Hintergrund schreibe ich, weil er mich so lange Ohnmächtig hat sein lassen und auch oft noch macht. Es ist meine Perspektive aus der Position in die ich hinein gegendert wurde.

Ich finde es wichtig, Frau als gesellschaftliche Kategorie zu sehen, weil Frau die gesellschaftliche Relevanz genommen wurde und sie vielmehr als Zusatz des Mannes betrachtet wird.

(natürlich werden andere Abweichungen vom weißen Mann, ebenso wie Frau sein als nicht normal betrachtet und unter-liegen strikten Unterdrückungsstrukturen, die nur bis zu einem bestimmten Punkt benannt werden dürfen, nämlich bis zu dem wo die Benennung anfängt an dieser Macht zu knabbern)

In dieser Betrachtung kann ich nicht von einer Gleichheit sprechen, da diese nicht existiert. Deshalb ist eine Organisierung, eine Solidarität unter Frauen notwendig um aus der Herrschaft auszubrechen. Solange wir nicht befreite Frauen sind, fällt es schwer Seite an Seite mit Männern zu kämpfen.

Ich plädiere für die Abschaffung des Mannes! 1

Auch Passiv ist Aktiv. Nichtverhalten ist eine Positionierung und ist Gewalttätig

Jede Frau die ich kenne hat sexistische Gewalt erlebt, die meisten auch Vergewaltigung. Jede dieser Frauen hat auch erlebt oder weiß, dass sie durch ein Öffentlich machen dieser Gewalt mit Ausschlüssen zu rechnen hat (z.B. Verlust des halben Freundeskreises, Vermeidung von Räumen durch fehlende Solidarität…) Dieses passiert nicht irgendwo, sondern in unseren Freundeskreisen und politischen Verbindungen, es passiert in unserem Kampf gegen das kapitalistische System, es sind vermeintliche Mitstreiter. Und das macht Sauer, wir gehen von Solidarität und Verständnis aus und finden Ignoranz und Reproduktion von Herrschaft.2

Nicht selten passieren Schuldzuweisungen an die betroffene Person, dass nicht alles so sei wie vorher, dass durch sie der Freundeskreis zerbrochen sei, dass sie überdramatisiere oder eine Aus-einandersetzung erzwungen werde.

Das Problem ist die Struktur die dahinter steht, eine täterfreundliche Umgebung zu schaffen. Es ist nicht nur, dass solche Taten passieren, damit würde Frau um-zugehen wissen. Es ist ebenso der sich stetig wiederholende Umgang damit.

Täterschützende Strukturen werden auch unterstützt, in dem sich nicht verhalten wird. Es gibt keine passive Seite, auch Passivität ist eine klare Entscheidung. Es ist eine Entscheidung für die Täter. Dieses Schweigen, das sich um die Täter kümmern, erst einmal seine Sicht hören, bloß nicht zu hart urteilen, bloß keine Fehler machen oder aber schlicht und ergreifend alles zu ignorieren. Das ist eine Form der Gewalt, die ist unsichtbar, nicht angreifbar. Sie eröffnet Schutzräume für Täter. Wir können in einem solchen Zustand, nicht von einem gewaltfreien-, pazifistischen Etwas innerhalb der Szene ausgehen.

Es ist schwer sich dagegen zu wehren, wenn gesagt wird: „ja ich steh auf deiner Seite“ aber nicht gehandelt wird. Immer wieder gefordert werden muss sich zu verhalten.

Denn einfach nichts zu machen, heißt zu akzeptieren, heißt sich keine Probleme zu schaffen, heißt zu behaupten Mann habe damit nichts zu tun. Denn selbst wenn die theoretische Einsicht da ist, der hat was falsch gemacht, hilft es nicht Nichts zu machen und sich rauszuhalten. Denn das Problem von sich zu weisen, zeigt, dass keine Beziehung zu sich selbst und der eigenen Rolle und Verantwortung hergestellt wird. Sage ich einer Frau nicht, „ey pass auf der hatte da schon son paar ‚schräge Sachen’“, dann begebe ich sie in die Gefahr das auch ihr ein paar „schräge Sachen“ passieren, konfrontiere ich einen alten Freund nicht mit der gemachten Scheiße, sage ich ihm, „hey live goes on“ und er wird sich nicht stellen müssen. Denn verdammt nochmal jede_r ist verantwortlich dafür, dass sich die Scheiße nicht wiederholt und dass der Typ nicht einfach weiter sein Ding durchzieht!

Ich frage mich wo ist die (praktische) Solidarität?

Hierbei sollten Überlegungen wie Mensch von anderen wahrgenommen wird, keine Rolle spielen, Scheiß doch drauf was die Szene über dich sagt wenn du dich richtig verhalten kannst! Ich ärgere mich aber nicht nur über fehlende Solidarität mit der direkt betroffenen Person, sondern oft genug werden auch ihre Unter-stützer_innen nicht ernst genommen oder angegriffen und ausgeschlossen oder für das Geschehene verantwortlich gemacht.

Leider spreche ich auch nicht nur von fehlender Solidarität von Männern zu Frauen, denn viel zu oft sind es die Frauen selber, die nicht solidarisch agieren. Sie suchen den Fehler bei der Frau und ein Verständnis für den Mann. Was ich vermisse ist eine tiefe Grundsolidarität. Natürlich gibt es Orte an denen es sie gibt, aber nur wenige. Ich wünsche mir mehr Frauen*Orte aufzubauen und Solidarität praktisch zu leben.

Ich habe beobachtet, wie unter vier Augen Solidarität gezeigt wird, diese aber verfliegt, sobald sich öffentlich Verhalten werden soll. Oder auch mal ein eigenes Verhalten ohne direkte Aufforderung angebracht wäre. Position zu beziehen ist notwendig, denn ein Nichtverhalten schafft eine Positionierung.

Und diese Positionierung ist eine für den Täter.

Auch wenn die sich nicht verhaltende Person nicht der anfängliche Aggressor war, nicht vergewaltigt hat, nicht (direkt) Gewalt ausgeübt hat, so verhält sich das Nichtverhalten als eine unterschwellige Gewalt. Die Umgebung der Gewalt bleibt, es schafft und erhält Struktur!

Das Nichtverhalten macht Hilflos, es lässt Personen, die Gewalt erlebt haben, immer wieder das Selbe spüren, das sie bei sich selbst erlebt haben. Sie lässt die Opfer Opfer bleiben.

Es schmerzt und es macht sauer wenn immer wieder dieser Fall eintritt, wenn immer wieder gesagt wird, „naja eigentlich ist er ja total nett, nur in diesem Fall irgendwie nicht, aber politisch ist der ja auch sonst voll ok.“ Ich brech gleich! „Ich kann das ja nicht einschätzen, ich war ja nicht dabei“ Natürlich warst du nicht dabei, wer ist schon bei sexuellen Übergriffen dabei! Sie passieren unter-schiedlich und vielschichtig sie sind oft erst spät realisiert, sie sind oft mit anderen Mechanismen verstrickt und sie bedürfen der Zuwendung an die betroffene Person und nicht des Täters.

Mimikry. Das Verstecken und schlagen mit den eigenen Waffen

Oft genug konnte ich beobachten, wie Männer durch die Hilfe von Frauen*, sich eine szenetaugliches feministisches Vokabular angeeignet haben. Und dieses dann gegen die Frauen verwenden. Die Aneignung von Form und Sprache des Feminismus führt zu einer gefährlichen Form von Mimikry, also einer Tarnung unter Feministinnen.

Der Feind wird unsichtbar. Der Mann fühlt sich den Frauen näher, er kann sich auch in radikal feministischen Kreisen bewegen, er kennt die Theorie, jedoch ist sie nicht internalisiert.

Das führt zu einer gefährlichen Vermischung. Die Codes sind klar, jedoch nur an der Oberfläche, das Innere bleibt herrschaftlich, patriarchal und nicht auf sich selbst bezogen kritisch hinterfragt. Die Sprache wird genutzt um sich unangreifbar zu machen. Schlimmer noch wenn die Werkzeuge des Feminismus genutzt werden um das eigene Verhalten zu rechtfertigen. Sie zerstören unseren Zusammenhalt.

Vielleicht sollten wir aufhören unsere Energie in die Bildung des Mannes zu stecken, sondern uns unserer selbst und unserer Bedürfnisse klar werden.

Wir sollten uns zusammenschließen und sagen, so geht es nicht weiter.

Ich kämpfe nicht mehr weiter mit denen, die mich unterdrücken wollen oder den Unterdrückern ein Klima schaffen in dem sie bemächtigt werden zu machen was sie wollen. In dem sie immer wieder zu Tätern werden. In dem ihnen so vorsichtig gesagt wird, sie hätten da irgendwie einen Fehler begangen ohne das es ihnen auch mal so richtig schlecht geht.

Sexismus ist kein Nebenwiederspruch er ist gelebte Herrschaft, angewandte Unterdrückung und das, System und Struktur übergreifend. Feminismus dient nicht zur Spaltung, ist nicht gemein oder ausschließend, sondern ist notwendig um Machtstrukturen aufzudecken, sich gegen diese zu wehren und zu einer Gesellschaft zu gelangen, die nicht durchfressen ist von Gewalt, Macht und Ausgrenzung.

Kampf gegen das System und gegen das Patriarchat stellen also keinen Wieder-spruch dar, vielmehr sind diese Kämpfe untrennbar miteinander verbunden.

Ich bin nicht bereit zu akzeptieren! Ich möchte kein Verständnis mehr für den Mann aufbringen, sondern lernen ein Verständnis der Frau zu entwickeln. Ich bin nicht bereit die Wut einfach runter zu schlucken und so wie ich es gelernt habe in mich hinein zu fressen3.

Die Dinge beim Namen nennen

Der Ausspruch „ich bin vergewaltigt worden“, wird zu etwas persönlichem reduziert, über das du nicht sprechen darfst, weil es irgendwie ja deine Schuld ist. Behalte es lieber als dein privates Geheimnis, weil Mann nicht weiß wie damit umzugehen ist, es macht Angst. Aber Vergewaltigung und sexualisierte Gewalt ist kein Privatproblem einiger Ausnahmen. Es hat Struktur, es ist die Lebensrealität von vielen. Es gibt keine Schutzräume, nicht in der „Szene“, nicht in „der Beziehung“ und auch nicht in Freundschaften. Vergewaltigung und sexualisierte Gewalt sollte nicht als Einzelerfahrung degradiert werden, zu psychischer- und sozialer- Isolation, sondern zu einem gesellschaftlichen Umgang führen. Auch einfach eine Therapie zu machen, um das irgendwie mit sich selbst zu klären, schützt uns nicht davor, dass sich die ganze Scheiße immer wiederholen kann. Es kann keinen isolierten Umgang mit diesem Problem geben. Der Umgang es zu einem Geheimnis zu machen führt dazu, dass die Gewalt unsichtbar bleibt, rede nicht darüber, dann passiert es auch nicht, rede nicht darüber, denn der kann so was doch gar nicht. Rede nicht darüber, denn du bist diejenige, die die Harmonie zerstört und verantwortlich dafür ist, dass Freundeskreise zerbrechen. Rede nicht darüber oder willst du nur noch als Opfer gesehen werden?

Redet nicht miteinander darüber, dann wissen wir auch nicht wie oft es passiert.

Es ist eine klare Unterdrückungsstruktur, der Verschleierung und der Isolierung.

Es ist Aufstandsbekämpfung durch das Patriarchat.

Wenn wir nämlich wissen wir sind nicht alleine, können wir daraus Kraft ziehen und uns organisieren, unsere Ohnmacht umwandeln in Wut. Und unsere Wut in Kampf. Wenn wir uns nicht Isolieren lassen, nicht schweigen, dann gibt es eine klare Gegengewalt, wir benennen was passiert ist.

Vor dieser Gewalt, der gegenGewalt der Frauen, den Zusammenschluss, hat das patriarchale cis-tem, nicht ohne Grund Angst und versucht es durch die Kraft der Vereinzelung zu unterbinden.

Gewalt und gegenGewalt

An dieser Stelle braucht es vielleicht einen Gewaltdiskurs. Wie ich bereits geschrieben habe, gehe ich bereits von einer gewalttätigen Struktur aus in der wir leben. Diese Struktur bedeutet, einen ständigen Umgang damit zu finden Gewalt ausgesetzt zu sein aber auch mit der stillschweigenden Hinnahme von Gewalt, sowie für diese Gewalt durch die eigene Person verantwortlich gemacht zu werden. Was bedeutet Gewalt und lässt sich Gewalt von Frauen einfach mit der von Männern gleichsetzten?4

Gewalt von Frauen wird oft als hysterisch abgestempelt.

Doch es ist nicht Hysterisch sondern Wut. Ich frage mich warum wird diese Wut nicht angenommen, anerkannt und respektiert. Warum wird der Fehler in der Form der wütenden Person gesucht und nicht in dem was die Person umgibt? Warum wird die Wut nicht unterstützt und als eine Form des legitimen sich-zur-Wehr- setzen gesehen? Warum wird nur die Form betrachtet und der Inhalt zumeist ausgeblendet? Warum fragen sich die Personen auf die sich die Wut richtet nicht was sie gemacht haben, dass jemensch die Kontrolle über sich verliert.

Eine Frage die sich stellt ist, müssen wir in antagonistischen Denkmustern verharren, also ein stetiges Gegeneinander und vernichten der anderen Seite mitdenken? Wenn Frauen gegen Gewalt kämpfen, dürfen sie dann gegenGewalt anwenden? Wenn Frauen gegen den Kapitalismus kämpfen, dürfen sie dann ihre Energie auf den Kampf der Frauenbefreiung richten? Verteidigung ist legitim, Angriff nicht? Denn Angriff bedeutet eben manchmal Verteidigung.

Ich denke diese Dinge stehen neben-einander und sind verbunden.

Ich wünsche allen Frauen einen Wut-ausbruch, genau an der richtigen Stelle. Nämlich an den Mann gerichtet und eben nicht diese Gewalt umzudrehen und auf sich selber zu richten.

Militante Frauen kämpfen und das bedeutet in allen Bereichen des Lebens, ob gegen Bullen oder das Patriarchat!

Und dieses nicht um selber Macht auszuüben, sondern sich und ihre Ideologie radikal zu verteidigen und umzusetzen.

Ich weiß, dass es Angst macht diese Gewalt zu spüren, sie in sich zu tragen und auszuüben. Es ist die Gewalt, die in unseren Körpern gespeichert ist, sich über Jahre und Jahrzehnte festgesetzt hat. Diese Gewalt loszuwerden ist erschreck-end, gerade wenn mensch Gewalt ablehnt. Doch sie wird ihren Weg finden und sich äußern, in den meisten Fällen gegen sich selbst. Es ist befreiend die eigene Wut zu artikulieren, ihr nach-zugehen, sie abzugeben. Auch wenn das Mittel schwierig ist. Aber wir sind alle Menschen, tragen Gewalt in uns und sollten uns diesem und unserer Kraft bewusst werden. 5

Wir sind keine Opfer des schwächeren Geschlechts, sondern wir können uns sehr wohl zur Wehr setzten.

Zur Verantwortung

Ich denke Menschen gehören nicht sich selber, sondern sie existieren durch die Beziehungen, die sie mit anderen Menschen haben. Dadurch ist es, wenn jemensch weggeht so, als würde ein eigener Teil des Selbst gehen. Ich denke, uns wurde gesagt, wir seien für uns selbst verantwortlich und das stimmt auch, aber zu diesem Selbst gehören so viele Teile, die aus anderen Menschen bestehen, dass wir selbst wunderbar zusammen geklebte Menschen aus vielen Anderen sind und jede Person ist wichtig und jede macht uns zu dem was wir sind, deshalb können wir nicht über uns selbst bestimmen, ohne auch über die anderen zu bestimmen.

Solidarität

Solidarität unter Frauen und auch der Ausschluss von Männern, kann zu etwas Gemeinsamen führen. Nur ist es zunächst wichtig sich ohne den Mann bewusst zu werden. Eine Unterdrückungsstruktur los zu werden. Im Kampf um die Freiheit ist das ein geringer Preis. Wichtig erscheint es mir, männliche Denkmuster abzulegen und eigene aufzubauen. Sich zunächst um sich zu kümmern, wie mit dem Mann umgegangen wird ist erst einmal nicht die Frage. Sich zu lösen und auf Distanz zu gehen hat eine ideologische Perspektive, es heißt sich zu lösen von einer männlichen Sicht auf die Welt. Wenn diese Trennung in sich vollzogen ist, eigene Perspektiven aufgebaut sind, dann kann etwas Neues entstehen.

Die organisatorische Abspaltung vom Mann erscheint mir als eine wichtige

Grundlage zum Aufbau einer weiter führenden Idee.

Männliche Strukturen abzulehnen ist (auch) deshalb wichtig, weil wir sie reproduzieren. Jeder Mensch steht nicht alleine in der Welt, sondern ist ein Ergebnis aus dem was mensch erlebt hat. Wir sind Fragmente aus unterschiedlichen Personen, die in uns manifestiert sind und ihr Eigenleben in uns führen. Alles hat einen Effekt auf uns und wir haben einen Effekt auf andere. Deshalb ist es unmöglich Entscheidungen ausschließlich für uns zu treffen. Denn diese Ent-scheidungen bestimmen auch die anderen.

Die Verbundenheit der Dinge unter-einander ist ein wichtiger Schlüssel um sich seiner Verantwortlichkeit bewusst zu werden. Die politische Perspektive von Verbundenheit ist Solidarität. Mit anderen Worten können wir es auch Liebe nennen.

Dieser Text entstand aus vielen Gesprächen zwischen Freundinnen, die gegenseitige therapeutische- und radi-kalisierende Wirkung auf uns hatten.

Ich danke euch für eure enorme Stärke mit dieser ganzen Scheiße umzugehen.

Ich liebe euch wütend und mit großer Klappe!

(September 2015)

1 nur ein kurzer Hinweis an all diejenigen, die es wieder einmal nicht schaffen diesen Text zu lesen ohne sich zu ärgern oder sich sofort zu rechtfertigen. Bitte rechtfertigt euch doch zunächst vor euch selber, reflektiert euer Verhalten und die Struktur in der ihr euch bewegt. Vielleicht ist es auch so, dass wir einfach keine Freund_innen werden, so schlimm ist das ja auch nicht. Aber eins könnt ihr euch überlegen, ist dieser Text an euch gerichtet und müsst ihr zu allem etwas sagen?

2 „…Es macht uns Angst zu merken, unsere Wut richtet sich nicht nur gegen die Bullen, die Institutionen, gegen all das, zu dem wir ohnehin keine Nähe verspüren. Es macht uns Angst, wie umfassend unsere Wut sein kann, wenn wir zulassen, dass sie keinen Halt macht vor denen, die wir Gefährt_innen oder Freund_innen nennen, dass es oft genau diese sind, gegen die wir, ganz unmittelbar, zu kämpfen haben. Es macht uns Angst, beim Umschauen festzustellen: Es sind nur wenige, noch weniger als wir dachten, die bereit sind, mit uns diese Kämpfe zu führen, die bereit sind unsere Wut – auch gegen sie – anzunehmen…“ „can´t hold us down“, ramasuri magazin für die revolte Nr.1, März 2015.

Ich empfehle allen den ganzen Text zu lesen!

3 „Wie jede unterdrückte Klasse lernen Frauen, den eigenen Zorn fürchten. Unser Zorn ist furchterregend, und das hat seinen Grund. Wir wissen, wenn er sich jeh Bahn brechen sollte, werden wir womöglich verletzt, oder schlimmer noch verlassen – ein zuverlässiges Maß für soziale Privilegiertheit ist, wie viel Zorn man äußern kann, ohne einen Rauswurf, Verhaftung oder soziale Ächtung fürchten zu müssen. Deshalb schlucken wir unseren Zorn hinunter, bis er wie verdorbenes Essen in und gärt und uns krank macht.“

Laurie Penny „Unsagbare Dinge, Sex, Lügen & Revolution

4 Rhetorische Frage ;-)

5 „Ich konnte einfach nicht mehr die ganze Scheiße ertragen ohne mich zu wehren. Ich konnte nicht im Bett liegen und heulen. Ich wollte nicht alles in mich rein fressen sondern, dass es genau dort landet, all die Scheiße die in mir drin ist. Ich meine letztendlich war es ein riesen Wutausbruch. Ich denke das was an Gewalt in einen rein gesteckt wird kommt auch manchmal wieder raus und so war es. Die ganze scheiß gespeicherte Kacke in meinem Körper und die hat sich entladen in diesem Moment. Und ich bin froh dass sie nicht in mir und im totalen Zusammenbruch im Hinnehmen und sich nicht wehren gelandet ist. Auch wenn dieser Zusammenbruch wahrscheinlich grad vor der Tür steht und auf mich wartet und ich Angst habe, ne scheiß Angst vor mir selber und niemals klar zu kommen. Aus meiner Haut raus will und das endlich alles gut ist und ich hab soviel gearbeitet daran und dann passiert so was. Ich hab ne scheiß Angst vor der Welt. Vor Menschen denen ich vertraue und zu vertrauen. Ich habe Angst mich soviel zusammen zu reißen die ganze Zeit, zu versuchen die Kontrolle zu bewahren, dass solche Ausbrüche kommen. Die Kontrolle so doll zu verlieren über mich dass alles überhand nimmt und ich davon verschluckt werde und ich weiß das wird sich dann nicht gegen andere richten.“ Erfahrungsbericht nach einem Wutausbruch einer Frau