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Den Spieß umdrehen – Was sind queer politics und queer theory?

Dieser Artikel ist gekürzt und mit erklärenden Beiträgen versehen worden (siehe eckige Klammern)!

Den Spieß umdrehen
Was sind queer politics und queer theory?

Die Entstehungsbedingungen von queer als politischer Bewegung und theoretischem Denkansatz liegen in den USA der späten 80er Jahre.
Queer entstand als eine neue Form der Bündnispolitik von sehr unterschiedlichen gesellschaftlichen Außenseitern und Außenseiterinnen, die deshalb auch symbolhaft als »Regenbogenkoalition« bezeichnet wurde. Dabei sollte aber auch auf Marginalisierungen [die Abdrängung von Minderheiten an den Rand der Gesellschaft] innerhalb der eigenen Szenen hingewiesen werden. Die Bezeichnung »queer« wurde gewählt, weil dieses Schimpfwort im Englischen all diejenigen meint, die nicht in die Wertvorstellungen der moral majority [moralischen Mehrheit] passen. Die Selbstbezeichnung als »queer« hatte, ähnlich wie bei den Wörtern »Schwuler«, »Tunte«, »Lesbe«, »Krüppel«, »Kanake« oder »Irrer«, einen provokanten, kämpferischen Charakter. Es verstörte das Publikum, wenn sich die Diffamierten [die gezielte Verleumdung Dritter, mit dem Zweck die Betroffenen gesellschaftspolitisch auszuschalten] selbst so nannten, es nahm der Verletzung die Schärfe und kehrte den Spieß um in die Richtung, aus der er kam.
Seit 1997 findet alljährlich an wechselnden Orten in den Metropolen westlicher Länder die Queeruption statt. Diese Veranstaltung versteht sich als selbstbestimmter Freiraum, an dem Utopien von Herrschaftslosigkeit und geschlechtlicher wie sexueller Autonomie jenseits normativer Zwänge erarbeitet und erprobt werden können. Auch in Osteuropa haben sich vor dem Hintergrund stark homophob, antifeministisch und traditionalistisch geprägter Gesellschaften Widerstandsformen gebildet, die sich positiv auf queer beziehen. Im Nahen Osten gibt es mit Black Laundry ebenfalls eine sich als queer verstehende israelisch-palästinensische Gruppe von FriedensaktivistInnen.

Parallel zur Entwicklung von queer politics wurde auch im universitären Bereich der Gay and Lesbian Studies „queer“ als Sammelbegriff für einen neuen kritisch-theoretischen Zugang zu nicht-normgerechten Sexualitäten verwendet.

Poststrukturalistischer Hintergrund
Mindestens genauso wichtig wie queer politics war für das Entstehen von queer theory allerdings das poststrukturalistische Denken.
[Der Begriff Poststrukturalismus kennzeichnet Ansätze und Methoden, die sich auf unterschiedliche Weise kritisch mit dem Verhältnis von sprachlicher Praxis und sozialer Wirklichkeit auseinandersetzen. Maßgeblich ist dabei die Einsicht, dass die Sprache die Realität nicht bloß abbildet, sondern mittels ihrer Kategorien und Unterscheidungen auch herstellt.] (mehr…)

what about critical whiteness?

Und noch eine weitere Diplomarbeit zum Thema, mit einer m.M.n. sehr guten Einführung ins Thema critical whiteness und deren Begrifflichkeiten.

„weiße Flecken in der antirassistischen Bildungsarbeit?
Eine Analyse rassismuskritischer Bildungsmaterialien mit Methoden der Kritischen weißseinsforschung“

von Susanne Dieckmann

http://www.whitecharity.de/Dieckmann.pdf

what about critical whiteness?

Auszüge der Diplomarbeit „Zum Umgang mit Rassismus in interkulturellen Beziehungen“ von Gabriele Koné:

„Obwohl die genetische Forschung bereits vor geraumer Zeit festgestellt hat, dass es keinerlei wissenschaftliche Grundlage gibt für die Einteilung von Menschen in Rassen, spielt die ethnische Herkunft im sozialen Leben eine entscheidende Rolle. Dies zeigt sich daran, dass Menschen, die sich von der Weiß(1) konstruierten Norm unterscheiden nicht den gleichen Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen haben wie Menschen, die dieser Norm entsprechen.

Critical Whiteness Studies, versuchen, die ökonomische und politische Geschichte zu analysieren, die hinter dieser Konstruktion von Weiß-Sein steckt und die Privilegien und kulturellen Praxen sichtbar
zu machen, die diese stützen und tradieren. Zentrales Anliegen ist es, zu reflektieren, wie das Konstrukt
Weiß-Sein systematisch und strukturell die Gesellschaft hierarchisch organisiert und so zur Norm wird, an der Nicht-Weiße gemessen werden. (mehr…)

what about queer?

Den Spieß umdrehen Was sind queer politics und queer theory?

Seit einigen Jahren taucht in Diskussionen über Geschlechterordnung und Sexualität immer öfter der aus den USA kommende Schimpfwort »queer« (dt. pervers, abnormal) auf. Was ist damit gemeint, und was beabsichtigen queer politics und queer theory? Geht es allein um die Belange von Lesben, Schwulen und Transsexuellen, oder zielt der Begriff gerade auch auf die sexuelle Identität des heterosexuellen Mainstream?

Den vollständigen Artikel von Volker Woltersdorff alias Lore Logorrhöe gibts hier:
http://www.archiv3.org/volltext_163427.htm

what about critical whiteness?

„Unterschiedlichste Befreiungsbewegungen haben in den letzten 100 Jahren die Selbstwahrnehmung zuvor marginalisierter Gruppen, das Zusammenleben in westlichen Gesellschaften sowie deren Beziehungen zum Trikont von Grund auf verändert. Feminismus in den Metropolen, Antikoloniale Bewegungen im besetzten Süden sowie das Civil Rights Movement haben als transformative Kräfte tiefgreifenden Wandel angestoßen. Eine der wichtigsten Errungenschaften dieser vielfältigen Bewegungen ist die Einsicht, dass Identitätskategorien wie Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Nationalität oder soziale Klasse nicht essentiell sind. Noch vor kurzer Zeit wurden Einteilungen dieser Art nicht nur zu einer gesellschaftlichen Hierarchisierung bestimmter Gruppen genutzt, sondern darüber hinaus auch zur Zuschreibung von körperlichen und charakterlichen Merkmalen. Auch wenn sich der aktuelle gesellschaftliche Diskurs und die an UN-Richtlinien orientierten Gesetzgebungen darum bemühen, die negativen Auswirkungen solcher Einteilungen zurück zu nehmen und Identitätszuschreibungen zu dekonstruieren, existieren Vorstellungen von einer festen Identität weiter.
Oftmals unangetastet in der Analyse bleibt ein Aspekt von Identität, der sich geschichtlich und gesellschaftlich wohl am umfassendsten eingeschrieben hat: das Weißsein. (mehr…)

¿Cómo puedo ser machista? ¡Si soy Anarquista!

http://alcachofa.pimienta.org/textos/Partes_de_Mi_que_me_Asustan.pdf

„How Can I Be sexist? I’m An anarchist!”

By Chris Crass / Part I:

„What do you mean I‘m sexist?“ I was shocked. I wasn‘t a jock, I didn’t hate women, I wasn‘t an evil person. „But how can I be a sexist, I‘m an anarchist?“ (mehr…)

Wieso soll ich sexistisch sein? Ich bin Anarchist!

dt. Übersetzung von: „How Can I Be sexist? I’m An anarchist!” by Chris Crass

Teil 1:

„Was meinst du damit? Ich soll ein Sexist sein?” Ich war geschockt. Ich bin kein Macker, ich habe keinen Hass auf Frauen, ich bin keine böse Person. „Aber wieso soll ich ein Sexist sein? Ich bin doch Anarchist!”. Ich war unsicher, nervös, versuchte mich zu rechtfertigen. Ich glaubte an Befreiung und an den Kampf gegen Kapitalismus und Staat. Da sind doch auf der einen Seite jene, die Ungerechtigkeiten verteidigen und von ihnen profitieren, und auf der anderen Seite stehen wir, oder? Ich war 19 und es war 1993, vier Jahre nachdem ich politisch aktiv wurde.
(mehr…)